Über Ängste in der Elternschaft
Wie Ängste mich in meiner Mamarolle begleiten
Dies wird ein sehr persönlicher und emotionaler Blogbeitrag.
Wir waren im Urlaub und ich musste mich mal wieder einigen meiner Ängste stellen. Ich bin damit verhältnismäßig gut ausgestattet, also mit Ängsten. Das ist ziemlich doof. So doof, dass ich vor einiger Zeit an einer Angststörung erkrankt bin, die mir über einige Monate das Leben so richtig schwer gemacht hat. Ich habe mich von Panikattacke zu Panikattacke geschleppt, konnte kaum das Haus verlassen. Das hat sehr viel mit mir gemacht. Am erdrückendsten waren die Gedanken, ob ich meinen Kindern eine gute Mama bin, wenn ich doch vor so vielen Dingen Angst habe und sie dann vermeide, um die Angst nicht zu spüren.
Sollten die Kinder alle Gefühle miterleben?
Ich bin der festen Überzeugung, dass es richtig und wichtig ist, Kindern alle Gefühle, die man fühlt nicht vorzuenthalten. Nur so lernen sie Mitgefühl und Empathie in meinen Augen. Natürlich immer altersentsprechend und in einer gewissen Dosis. Ich vermeide, dass meine Kinder mich an schlechten Tagen den ganzen Tag weinen sehen. Aber, dass Mama auch mal traurig, wütend, enttäuscht oder erschrocken ist, das gehört dazu. Genau, wie wir unseren Kindern die positiven Gefühle zeigen, gehören auch nicht so angenehme Gefühle dazu.
Wie ist es aber nun mit Angst?
Angst hingegen ist ein schwieriger Begleiter. Unsere Kinder haben feine Antennen und ab einem gewissen Alter entwickeln sie eine ausgeprägte Empathie. Sie möchten, dass es uns gut geht. Und sie spüren, manchmal eher als wir, dass etwas nicht stimmt. Teilweise geht es soweit, dass sie denken, sie müssen uns beschützen. Und genau das sollen sie doch nicht denken. Oder? Sollen unsere Kinder uns beschützen? Sind wir nicht die starken Erwachsenen, die durch Lebenserfahrung viele Dinge schon erlebt haben und wissen, dass Angst meist unbegründet ist. Schauen sich unsere Kinder, die Angst bei uns ab, geben wir sie weiter? Aber hat Angst nicht auch eine Funktion, eine wichtige?!
So viele Fragen, die sich so schwer beantworten lassen und in meinem Alltag frage ich mich häufig, ob es ok ist, meine mutige Tochter zu bestimmten Dingen mitzunehmen, die ich mir vermeintlich nicht traue. Sie fragt, wenn ich mich nicht traue und erklärt mir beim Gondelfahren die tollen Dinge, die mich auf dem Berg erwarten, um mich abzulenken. Ist das richtig? Mute ich ihr damit zu viel zu? Oder stärke ich damit ihr Selbstwertgefühl und unterstütze sie in ihrem Einfühlungsvermögen? Ich habe dafür noch keine richtige Antwort für mich gefunden.
Und auch nach überstandener Erkrankung durch Therapie und hervorragender Tagesklinik begleiten mich die Ängste immer durch mein Leben, sie gehören zu mir. Und genau das ist der Punkt, es gehört zu mir, Angst zu haben vor bestimmten Dingen, das gehört zu meinem Charakter.
Und meine Kinder kennen mich mit all meinen guten und unsicheren Seiten. Sie wissen, dass Mama nicht gern mit der Gondel auf den Berg fährt oder sich ungern in einer Höhle die Tropfsteine ansieht. ABER sie merken auch, dass ich immer wieder versuche, mich zu überwinden und mutig zu sein. Sie lernen, Angst haben darf sein, aber genauso wichtig ist es, auch mal mutig zu sein und etwas zu wagen.
Hinterher fühlt man sich immer besser.
Wie geht es dir? Hast du Ängste, die dich als Mama begleiten oder sogar einschränken in deinem Alltag?
Schreib mir gern.
